Leben und studieren in Indonesien

Ich wünsche einen schönen guten Tag…


Nachdem ich ja lange nix mehr von mir hören lassen habe, dachte ich es sei mal wieder an der Zeit ein paar Zeilen zu schreiben. Wie ich schon im letzten Beitrag berichtet habe, ist der Alltag eingezogen, aus diesem Grund gab es auch so lange nix mehr zu Lesen. Das Semester neigt sich so langsam dem Ende, was bedeutet, dass ich fleißig an diversen Projekten arbeiten. In „Multimedia“ müssen wir als Abschlussprüfung ein Musikvideo abgeben und in „Radio Production“ soll eine 15-30 min Radioshow konzipiert und produziert werden, beide Projekte sind Gruppenarbeiten, welche wirklich Spaß machen. Man lernt ein bisschen was neues und kann sein bisheriges Wissen in diesen Bereichen weiter vertiefen. Für „ Political Communication“ muss ich immer mal den Stoff der letzten Wochen wiederholen, um auf etwaige Tests vorbereitet zu sein, ist aber ein interessantes Fach, so dass es nicht all zu schwer fällt dafür zu lernen. In meinem Lieblingsfach „Public Relation and Crisis Communication“ werden in den nächsten Wochen ebenfalls einige Gruppenarbeiten durchgeführt, in denen wir Fälle bearbeiten müssen, dies ist jedenfalls besser als die reine Theorie ;). Die Zwischenprüfungen verliefen sehr erfolgreich, es ist auch einmal schön in der Position des Kursbesten zu sein :D. Nun aber genug selbst gelobt.

Inzwischen bin ich im Fußballteam unserer Fakultät auch vollends integriert, auch wenn mir alle immer noch davon laufen, Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit ist einfach nicht mein Sportwetter. Die Saison hat Ende Oktober begonnen, genau zu meinem Geburtstag hatten wir unser erstes Spiel. Dieses haben wir 2:1 gewonnen, der Gegner war der Meister der letzten beiden Jahre.  Danach sind wir noch ein Geburtstagsbierchen trinken gegangen.

Vor ca. 2 Wochen war ich bei einem Kommilitonen in Jakarta für ein paar Tage, was eine sehr gute Entscheidung war. Seine Mutter hat ihm die Kreditkarte gegeben mit dem Satz: „..macht euch einen schönen Abend.“ Das haben wir uns natürlich nicht zweimal sagen lassen. Zusammen mit zwei Holländern (Bekannte von meinem Kommilitonen) sind wir zuerst in eine Lounge gefahren. Nach der Preisliste zu urteilen, handelte es sich dabei um eine eher feinere Einrichtung, dies wurde mir dann später auch bestätigt. Naja zur Einstimmung des Abends gab es erst einmal einen erfrischenden Cocktail gefolgt von einem 11€ Paulaner. Nachdem wir noch ein Stündchen im „Social House“ verweilten sind wir weitergezogen.  Dies war allerdings gar nicht so einfach, denn wir hatten vergessen, wo das Auto stand. Das kann hier wirklich schnell passieren, bei 9-stöckigen Parkhäusern. Nach 30 min Versteckspiel haben wir unser Gefährt auch gefunden. In der nächsten Bar angekommen, lüstete es uns nach einem Mixgetränk, also wurde eine Flasche Vodka, Orangensaft und RedBull bestellt. So hielten wir es dann auch bis ca. 1:00 aus. Pambudi (der Name meines Kommilitonen) befand die Mischung mit RedBull für außergewöhnlich gut, er kannte es vorher noch nicht. Doch so richtig müde waren wir nicht, also beschloss die Reisegruppe einen Club in Jakarta aufzusuchen. Mit ein wenig Bauchkribbeln (wir hatten alle nur T-Shirts an und normalerweise braucht man ein Hemd) ging es dann in Richtung Club. Man muss schon sagen Jakarta bei Nacht ist angenehmer als am Tag, kaum Verkehr, Tausende von Lichtern und eine wunderbare Skyline. An unzähligen Wolkenkratzern vorbei, fuhren wir zum Club. Am Türsteher angekommen wurde freundlich gelächelt und wir wurden durchgewunken. Der Club war nicht sehr groß, was mir an sich auch besser gefällt. Es lief Elektro- und House Musik zu welcher wir auch bis zum frühen Morgen tanzten. Irgendwann kam dann der Kellner und teilte uns mit, dass sie in 10 min schließen wollen. Wie sagt man so schön „ Wenn es am schönsten ist, sollte man aufhören“. So ging es dann gegen 5:00 wieder nach Hause.  Am nächsten Tag haben wir uns dann erst einmal Sushi zum Mittag gegönnt. Der Rest des Tages verlief sehr ruhig, man könnte auch sagen, wir haben dem Vorabend Tribut gezollt.

Am darauffolgenden Wochenende, war unser erster Drehtermin angesetzt. Ich darf in unserem Musikvideo die Hauptrolle spielen, worauf ich nicht sonderlich scharf war aber mein doch sehr europäisches Aussehen ließ keine Gegenargumente zu. So darf ich nun einen Vespa-fahrenden Typen spielen und dazu so tun, als ob ich auf Bahasa (Landessprache in Indonesien) singen könnte. Spaß hat es aber trotzdem gemacht, auch wenn es an diesem Tag sehr heiß war und ich mit Hemd und langer Hose antreten musste.

Letztes Wochenende sind dann die ersten Besucher aus der Heimat angekommen- mein Bruder Philipp und Patty. Es war schon sehr witzig die beiden am Flughafen abzuholen. Philipp meinte dann auch gleich- „Da muss der kleine Bruder erst ins weite Ausland gehen, damit er ihn mal besuchen kommt“ –stimmt in Ilmenau war er noch nicht J. Dank eines anderen Kommilitonen Namens Ryo blieb den beiden auch die Taxifahrt erspart. Vom Flughafen sind wir direkt zum „Pasar Majestics“ gefahren, wo sich Philipp einen Anzug und ein Sportjacket schneidern lassen hat. Danach sind wir dann zum Hostel gefahren. „Hostel 35“ ist wirklich nur zu empfehlen. Den Abend haben wir dann mit ein paar Bintang (indonesisches Bier) ausklingen lassen. Am nächsten Morgen musste ich mich erst einmal um meine Visumsverlängerung kümmern. Also habe ich mich ins Taxi geschwungen und bin zum „international Office“ gefahren. Vor Ort hat mich Willy erwartet (ein Mitarbeiter einer Visa-Agentur) und mir einen anderen Mitarbeiter vorgestellt. Dieser hat mich dann ins Gebäude begleitet. Es ging in den 4. Stock, wo ich einer anderen Person vorgestellt wurde. Diese hat mich dann in den 2.Stock gebracht, um mich dort einer dritten Person zu übergeben, welche mich wieder in den 4. Stock begleitete. Ich hatte ja das Beispiel schon einmal am Anfang mit Asterix und Obelix und dem Haus was Verrückte macht :D. Nun gut, nach kurzem Warten wurde ich dann in einen Raum gebracht, wo man mir die Fingerabdrücke nahm und ein Bild machte. Der Mitarbeiter meinte als Begrüßung zu mir „That‘s no travelling, that‘s office“ dazu schaute er noch auf meine kurzen Hosen. Das Fettnäpfchen habe ich also mitgenommen und dabei wusste ich es doch eigentlich, in indonesischen Behörden muss man lange Hosen und feste Schuhe tragen (wenigsten das letztere hatte ich an). War aber alles halb so schlimm und nach 5 min war ich dann fertig. Also wieder ins Taxi und zurück zum Hostel. Dort habe ich dann Philipp und Patty beim Frühstück erwischt (dachte eigentlich, dass die beiden schon unterwegs seien, da wir uns für 13 Uhr verabredet hatten). Aber so war es besser, denn wir konnten nun gemeinsam Jakarta entdecken. Am ersten Tag, es war übrigens Montag, hat es uns zu erst nach Mangadua verschlagen. Dort gibt es einen großen Markt mit günstigen Klamotten. Die Kleidung hat uns allerdings nicht so wirklich überzeugt, es sah mehr so aus wie ein Kik Ausverkauf.

Die nächste Station hieß dann Glodok, Jakartas Chinatown. Nach kurzer Überzeugungsarbeit konnten wir Philipp überreden ein Padja, das ist eine Art Krause Duo (Moped mit drei Rädern), für den Weg zu nehmen. Vielleicht sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass in dieser Woche Obama in Jakarta war und somit das übliche Verkehrschaos um ein vielfaches getopt wurde. Glodok war wirklich super, viele Straßenhändler die Obst verkaufen und auch die ein oder andere ungewohnte Mahlzeit :D. Wir sind also staunend durch die Gassen geschlendert und haben versucht einen buddhistischen Tempel zu finden. Dies gelang uns auch nach kurzer Orientierungslosigkeit problemlos. Nach der Tempelbesichtigung haben Philipp und ich erst einmal eine Stärkung gebraucht und Bakso gegessen (Suppe mit Fleischbällchen). Da es dann doch schon früher Abend war und man wie gesagt erst einmal durch das Verkehrschaos kommen muss, sind wir mit dem Taxi zurück ins Hostel gefahren. Den Abend haben wir dann wieder ruhig ausklingen lassen. Für den nächsten Tag war Kota (historisches Viertel), Monas, Moschee, Museum Nasional und die Anzuganprobe für Philipp vorgesehen. Nach einer Pfannkuchen- und Saft-Stärkung schnappten wir uns wieder ein Taxi und machten uns zuerst auf den Weg nach Kota. Das Viertel besteht mehr oder weniger aus einem Platz. Nachdem wir den besagten Platz ausführlich besichtigt hatten, wollten wir uns noch eine Brücke, welche an sich in der Nähe des Platzes sein sollte, anschauen. So umrundeten wir den das Zentrum einmal danach ging es in Richtung Bahnhof. Auf dem Weg haben wir dann gefragt, wo diese Brücke denn sei, man teilte uns mit, dass wir wieder in die andere Richtung müssten. Also kehrt marsch und wieder planlos in Richtung des Platzes. Irgendwann sind wir dann einfach mal nach unserem Bauch gelaufen. Dieser hat uns weg vom touristischen Treiben gebracht und wir sind mitten in der 20 Mio. Stadt in ein Viertel gekommen, wo wir von Hahn, Henne und wirklich freundlichen Indonesiern begrüßt wurden. Eine Bewohnerin konnte auch ein bisschen Englisch und sie schien uns angesehen zu haben, dass wir nicht so richtig wissen wohin. Also versuchten wir ihr mittels Englisch und Touristenbahasa zu vermitteln, dass wir den Fluss suchen. Dies löste in ihrem Gesicht ein wenig Verwunderung aus. Sinngemäß: Warum wollen Sie denn zum Fluss? Der ist schwarz, dreckig und stinkt, so wie der Müll hier – sie zeigte auf einen größeren Müllberg in unserer Nähe. Aber wer kann die Europäer schon verstehen, also führte sie uns an weiteren Müllbergen und Bretterhütten vorbei in einen Hinterhof. Von dort aus konnten wir den Fluss sehen, aber natürlich war es nicht das was wir gesucht hatten. Wir standen nämlich mitten in einem Slumviertel. Dennoch war es ein schönes Erlebnis mal zu sehen, wie die Ärmeren in Jakarta so leben. Nach diesen Eindrücken beschlossen wir, dass es die Brücke, nach der wir suchten, nicht gibt. Wir riefen uns ein Taxi und fuhren zur Kirche. Diese hatte allerdings geschlossen, so dass wir sie nur von außen betrachten konnten. Nach einem kurzen Rundgang, beschlossen wir uns die gegenüberliegende Moschee anzuschauen. Also die Hacken in die Hand genommen und über die Mörderstraße gesprintet. Am Eingang hieß es dann erst einmal Schuhe aus. Ein netter Mitarbeiter hat uns dann in einen Raum geführt und uns die passende Kleidung zugeteilt. Danach hat er uns in die Weiten der Moschee gebracht und mit gebrochenem Englisch uns erklärt, dass der verwendete Stahl aus Deutschland kommt, das war allerdings nicht die einzige Info die er für uns hatte. Bis zu 200.000 Menschen können in der Moschee, welche die 3 Größte der Welt ist, zeitgleich beten. Am Ende der Tour wurden sich dann noch Hände, Gesicht und Füße gewaschen. Die nächste Station hieß dann Monas, das indonesische Nationaldenkmal. An sich war es an diesem Tag geschlossen, doch durch ein nicht ganz geschlossenes Tor konnten wir uns Zutritt verschaffen. Nach ein paar Metern wurden wir dann auch schon von einer Gruppe Indonesiern entdeckt und wie schon erwähnt, sind Europäer mindestens genauso interessant wie die Sehenswürdigkeiten. So kam ein schüchternes Gruppenmitglied auf uns zu und fragte uns, ob er denn ein Foto machen dürfte. Nett wie wir nun mal sind stimmten wir zu. Daraufhin sprinteten die anderen Gruppenmitglieder auf uns zu und wir waren umzingelt. Für das Foto wurde sich dann höflich bedankt und wir konnten weiterziehen. Nach der Besichtigung des Monas brauchten wir etwas Essbares. Somit wurde der nächste Nudelsuppenstand aufgesucht. Die Betreiber waren ebenfalls sehr gesprächig und an der ein oder anderen Habseligkeit unsererseits interessiert, doch mit einem bestimmtem „tidak“ (nein) konnten wir alles behalten. Das Restprogramm sah dann noch das Nationalmuseum und die Anprobe vor. Nach der erfolgreichen Anprobe und einem preisgünstigen Abendessen, machten wir uns wieder in Richtung Hostel. Der Abend endete ähnlich wie die beiden anderen zuvorJ nur ging es dieses Mal nicht ganz so lang, denn am nächsten Tag mussten die beiden ja auch ihren Flug kriegen und ich durfte um 5 Uhr aufstehen, um mich mit einer Kommilitonin zu treffen, welche mich mit nach Lippo genommen hatte. So nun hoffe ich, euch nicht mit zuviel Text gelangweilt zu haben. Sobald es wieder etwas Neues gibt und von mir als interessant genug befunden wurde; um es zu veröffentlichen, werde ich ein paar neue Zeilen schreiben. Bis dahin bleibt gesund, genießt die kalte Jahreszeit (so ein bisschen vermisst man es dann doch) und trinkt einen Glühwein für mich mit J.

DADA / Tschüß
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2 Antworten

  1. Philipp

    Hey Fabian…toller Text, sicher hat es damit zu tun das wir dabei waren ^_^…Du hast das schoene Cafe gar nicht erwaehnt wo wir Ruhe und Entspannung nach der Suche der ominoesen Bruecke finden konnten o_O aber ich will ja nicht meckern…in der Erinnerung fuehlten wir uns wie in Zeiten der Kolonial-Herren…

    In diesem Sinne…bis bald und viele Gruesse an alle!

    Philipp&Patti

    November 17, 2010 um 5:35 pm

  2. Hallo Fabian, Hallo Patty und Hallo Philipp,

    alles Gute nachträglich zum Geburtstag für Dich Fabian und beste Wünsche.
    Schön, daß Du für einen neuen Artikel Zeit hattest. Sicher bist Du viel unterwegs und es geht sehr turbulent zu.Von Euch,Pat und Phlipp, verfolge ich jede Spur, wenn ich die Richtung mitgeteilt bekomme. Pat meldet sich immer mal.
    Noch eine schöne Zeit und einen Gruß aus der gruseligen, trüben Heimat. – Ch.V.-

    November 17, 2010 um 6:40 pm

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